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Jaeger Magazin
Welche Fallen sind in welchem Bundesland erlaubt ?

von Rechtsanwalt Klaus Nieding,
Frankfurt am Main

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Die aufgeworfene Frage lässt sich am bestem ad contrario beantworten, nämlich in dem die verbotenen Fangeinrichtungen aufgezählt werden. Fällt das betroffene Jagdinstrument nicht unter das gesetzliche Verbot, ist es erlaubt. Hierzu ist anzumerken, dass diese Frage ohne Berücksichtigung der Vorschriften des Bundesjagdgesetzes nicht beantwortet werden kann, da die meisten Landesjagdgesetze ausdrücklich Bezug darauf nehmen.

Gem. § 19 Abs. 1 Nr. 5 ff. BjagdG ist es verboten, Vogelleim, Fallen, Angelhaken, Netze, Reusen oder ähnliche Einrichtungen beim Fang oder Erlegen von Federwild verwenden, Schlingen jeder Art, in denen sich Wild fangen kann, herzustellen, feilzubieten, zu erwerben oder aufzustellen sowie Fanggeräte, die nicht unversehrt fangen oder nicht sofort töten, sowie Selbstschussgeräte zu verwenden. Darüber hinaus ist untersagt, Saufänge, Fang- oder Fallgruben ohne Genehmigung der zuständigen Behörde anzulegen.

Zwecks Ausführung des Bundesjagdgesetzes haben alle Bundesländer von der entsprechenden Ermächtigung Gebaruch gemacht und die eigenen Landesjagdgesetze verabschiedet. Bis auf fünf Bundesländer ­
Brandenburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt ­ befassen sich die Landesjagdgesetze bzw. die auf der Grundlage dieser erlassenen Verordnungen unter anderem auch mit der Frage der Fangjagd, wobei, wie bereits angemerkt, die meisten Landesjagdgesetze sich unmittelbar auf den § 19 BJagdG beziehen.

Das
Baden-Württembergische Jagdgesetz (in der Fassung vom 1. Juni 1996, geändert durch Art. 34 5. AnpVO v. 17.6.1997, enthält keine Anforderungen an die Fangeinrichtungen. Diese sind in der Durchführungsverordnung des Ministeriums für Ernährung und Ländlichen Raum zum Landesjagdgesetz (LJagdGDVO) enthalten. Danach dürfen für Haarwild (§ 2 Abs. 1 Nr. 1 BJagdG) nur die in der Anlage 3 zu LJagdGDVO festgelegten Fallentypen verwendet werden. Die Anlage sieht fünf verschiedene Typen vor. Die Kastenfallen für Tiere ab Fuchsgröße (Mindestgröße für den Fangraum 130 x 25 x 25 mm) stellen Typ A dar. Tiere unter Fuchsgröße dürfen mit dem Fallentyp B gejagt werden (Mindestgröße 100 x 15 x 15 mm). Die Kastenfalle des Typs C ist nur für Wiesel (Wiesel-Wippbrett-Kastenfalle) bestimmt und muss die Mindestgröße von 50 x 8 x 8 mm haben. Die Rohrfallen (Fallentyp D) müssen mindestens 2 Meter lang und 25 cm im Durchmesser sein. Die Fallentypen A bis D müssen so beschaffen sein, dass eine Verletzung der gefangenen Tiere ausgeschlossen ist. Daher dürfen Fallen aus Drahtgitter nicht verwendet werden. Röhrenfallen müssen druckfest sein. Die Fangräume müssen im geschlossenen Zustand abgedunkelt sein. Kontrollöffnungen aus Draht sind nur zulässig, wenn Verletzungen der Tiere ausgeschlossen sind. Unter den letzten Fallentyp (E) fallen Abzugseisen für Haarwild mit der Bügelweite von 37 bis 70 cm (+/- 10 %) bzw. Mindestklemmkraft von 150 bis 300 Newton, wobei die Abzugseisen mit Bügelweiten von 37 und 46 cm nur für Marder und Iltis verwendet werden dürfen.

Ähnliche Anforderungen enthalten das
Bayrische Jagdgesetz (BayJG) vom 13. Oktober 1978, in der Fassung vom September 1997 sowie die Verordnung zur Ausführung des Bayerischen Jagdgesetzes (AVBayJG). Gem. Artikel 29 a Abs. 1 BayLG müssen die verwendeten Fallen ihrer Bauart nach Mindestanforderungen erfüllen, die ein sofortiges Töten oder einen unversehrten Lebendfang gewährleisten. Fangeisen dürfen nur verwendet werden, wenn zusätzlich ihre Be-triebssicherheit regelmäßig überprüft wird und sie dauerhaft so gekennzeichnet sind, dass ihr Besitzer feststellbar ist. Fangeisen dürfen nur in geschlossenen Räumen, Fangbunkern oder Fanggärten, in denen die Schlagfalle nach oben verblendet ist, so aufgestellt werden, dass von ihnen keine Gefährdung für Menschen, geschützte Tieren und Haustiere ausgeht. Die Verwendung von Schlagfallen ist der Jagdbehörde anzuzeigen. Die AVBayJG (§ 12 a) regelt die Min-destgröße (Innenmaße) für den Lebendfang.

Gem. § 19
Hessisches Jagdgesetz (HJagdG) vom 12. Oktober 1994 ist die Jagd mit Fanggeräten zulässig, wenn dies erforderlich ist, um den Bestand an jagdbaren Tieren auf ein Maß zu reduzieren, das mit den Zielen dieses Gesetzes vereinbar ist, wobei die Grundsätze zu beachten und Verfahren zu wählen sind, die dem zu fangenden Wild keine vermeidbaren Schmerzen und Leiden zufügen und Gefahren für Menschen und nicht jagdbare Tiere gering halten. Auch die Hessische Verordnung über die Fangjagd nach § 19 Abs. 1 und 2 des Hessischen Jagdgesetzes unterscheidet zwischen Totfang- und Lebendfanggeräten, wobei die technischen Anforderungen dem Grunde nach sich von den bereits erwähnten kaum unterscheiden, allenfalls etwas ausführlicher dargelegt sind. Gem. § 3 b der Verordnung sind folgende Fanggeräte ausdrücklich verboten: Knüppelfallen (einschl. Prügel- und Rasenfallen), Marderschlagbäume, Scherenfallen, Drahtbügelschlagfallen (einschl. Fallen nach Conibear-Bauart) sowie Totschlagfallen aller Art, die durch Tritt, Druck oder Berührung ausgelöst werden.

Auch die aufgrund des § 19 des
Nordrhein-Westfälischen Landesjagdgesetzes (LJagdG NW) in der Fassung der Bekanntmachung vom 7. 12. 1994 erlassene Fangjagdverordnung verbietet ausdrücklich die Verwendung von Knüppelfallen, Marderschlagbäumen, Scherenfallen, Drahtbügelschlagfallen u.ä. Fangeinrichtungen. Dagegen regelt die Fangverordnung NW die Mindestmaße für die Wippbrettkastenfallen. Jedenfalls müssen Fallen für den Lebendfang so beschaffen sein, dass sie für den Einzelfang bestimmt und geeignet sind, vermeidbare Verletzungen des gefangenen Tieres ausschließen und dem gefangenen Tier einen ausreichend großen Freiraum bieten. Die Anforderungen an die Falle für den Totfang unterscheiden sich von denen der o. g. Vorschriften nur unwesentlich.

Die nahezu gleichen Anforderungen gelten auch in
Schleswig-Holstein. Diese sind in der aufgrund der Ermächtigung im Gesetz zur Neufassung des Jagdgesetzes des Landes Schleswig-Holstein (Landesjagdgesetz - LJagdG) vom 13. Oktober 1999 erlassenen Fangjagdverordnung enthalten. Auch hier sind Knüppelfallen, Marderschlagbäume, Scherenfallen, Drahtbügelschlagfallen etc. verboten. Jedoch sind hier auch die Wippbrettkastenfallen ausdrücklich verboten. Im übrigen sind Fallen für den Lebendfang bauartzugelassen, wenn sie gewährleisten, dass Tiere unversehrt lebend gefangen werden, dem gefangenen Tier ein ausreichend großer Fangraum gewährt wird und der Innenraum so gestaltet ist, dass Verletzungen ausgeschlossen werden. Auch hier müssen Kasten- oder Röhrenfallen einen abgedunkelten Fangraum aufweisen. Die Ausnahme stellen Drahtgitterfallen zum Lebendfang von Jungfüchsen und Kaninchen dar. An die Fallen für den Totfang werden gleiche Anforderungen gestellt, wie bereits zu den anderen Bundesländern beschrieben, wobei die Mindestbügelweite nicht festgelegt ist und die Mindestklemmkraft 200 Newton betragen muss.

Dagegen dürfen in
Rheinland-Pfalz laut Vorschriften des Landesjagdgesetz (LJG) vom 5. Februar 1979 Fallen, die nicht unversehrt fangen, nur mit Genehmigung der unteren Jagdbehörde und nur in geschlossenen Räumen, in Fangbunkern oder Fanggärten verwendet werden. Im übrigen gibt es hier keine Unterschiede zu den Regelungen in anderen Bundesländern.

Thüringen (§ 29 Thüringer Jagdgesetz (ThJG) in der Fassung der Neubekanntmachung vom 26. Februar 2004), Hamburg (§ 16 Hamburgisches Jagdgesetz vom 22. Mai 1978, zuletzt geändert am 27.August 1999), Saarland (Gesetz zur Erhaltung und jagdlichen Nutzung des Wildes (Saarländisches Jagdgesetz - SJG) vom 27. Mai 1998) und Sachsen (Sächsisches Landesjagdgesetz (SächsLJagdG) vom 08.05.1991) erlauben die Jagd mit Fanggeräten und Fangvorrichtungen nur auf Wildkaninchen und Raubwild (Hamburg) bzw. Haarraubwild (Thüringen, Saarland).

Im Bundesland
Berlin wurde durch das Gesetz über den Schutz, die Hege und Jagd wildlebender Tiere im Land Berlin (Landesjagdgesetz Berlin ­ LJagdG Bln) vom 3. Mai 1995, zuletzt geändert durch Gesetz vom 16. April 2003 die Ausübung der Jagd auch mittels Verwendung von nach § 19 Abs. 1 Nr. 9 des Bundesjagdgesetzes nicht verbotenen Fallen untersagt. Die Jagdbehörde kann jedoch Ausnahmen zum Einsatz von Lebendfallen genehmigen.

Anzumerken bleibt abschließend, dass der vorliegende Bericht keine detaillierte Beschreibung der im jeweiligen Bundesland zugelassenen Fallen liefern kann. Dies würde den Rahmen der Abhandlung sprengen. Die genauen Maße bzw. Angaben können jedoch den o.g. Vorschriften entnommen werden.