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Drei junge Turmfalken vor dem Verhungern bewahrt

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Bad Sobernheim
29.06.2011 - BAD SOBERNHEIM

TIERE Vogelmutter stirbt aus Schwäche / Feuerwehr hilft mit Drehleiter

(red). Schon mehrere Jahre brüten die Turmfalken unter dem Dach von Dieter Schneider in der Nahestraße in Bad Sobernheim. Auch in diesem Jahr war der Turmfalken-Horst wieder belegt. Drei junge Turmfalken warteten auf das Futter, das das Turmfalkenweibchen erbeutete und heranschleppte. Unermüdlich war sie unterwegs, um ihre Jungvögel zu "atzen", wie es in der Falknersprache heißt.

Wie an jedem Tag wollte Dieter Schneider auch am vorigen Freitag nach "seinen" Untermietern hoch oben unter dem Dach seines Hauses schauen. Doch als er vor die Haustür trat, fand er das verendete Turmfalken-Weibchen. Die drei Jungvögel saßen oben im Horst und warteten hungrig auf die Mutter. Über die Tierarztpraxis Dr. Lindemeier wurde er zu Petra Nieding in Meddersheim vermittelt.

Falknerin Nieding bestätigte ihm dies bereits im ersten Telefonat: "Durch den harten Winter hatten die Vögel nicht genug Zeit, sich für die Zeit der Aufzucht genügend Reserven anzufressen. Bei drei Jungvögeln im Horst ist das Turmfalkenweibchen tagelang ununterbrochen unterwegs und schleppt Nahrung wie Mäuse heran", so die Falknerin und Jägerin.

Jagen auf Beute muss erlernt werden

Vor Ort bei Familie Schneider erkannte Petra Nieding mit ihrem Mann Klaus Nieding, Vorsitzender der Kreisjägerschaft, sofort: Die Jungvögel müssen herunter geholt und in eine Aufzuchtstation gebracht werden. "Das können wir bei uns nicht leisten", so Nieding. Neben der Aufzucht muss den Jungvögeln in den nächsten acht Wochen noch das eigenständige Jagen auf Beute beigebracht werden. "Das geht nur in einem artgerechten Umfeld und ist sehr zeit- und arbeitsaufwendig", so Falknerin Nieding.

Da die Greife hoch oben unter dem Dach horsteten, rief Schneider bei der Feuerwehr Bad Sobernheim an und traf dort auf ebenso große Tierliebe. Oberbrandmeister Stefan Müller, Löschmeister Ralf Gräff, Falknerin Nieding und ihr Mann Klaus fuhren im Transportkorb der Drehleiter hoch oben zum Falkenhorst. Dort konnten die Jungvögel sicher geborgen werden.

Wieder am Erdboden angekommen, wurden die drei Jungvögel in einer Falken-Transportbox zunächst mit einem frischen Rehherz "geatzt".

Eine Untersuchung des Falkenweibchens ergab, dass sie nur noch "Haut und Knochen" war. Der zum Fliegen so wichtige Brustmuskel war nahezu vollkommen zurückgebildet. Kreisjägervorsitzender Nieding: "Wichtig ist, dass in einem solchen Fall umgehend fachkundige Hilfe angefordert wird. Auf gar keinen Fall sollte der unerfahrene Laie Jungtiere oder Vögel selbst anfassen. Oftmals sind die Jungtiere nämlich gar nicht verwaist, sondern einfach nur kurzzeitig ohne Muttertier, das sich auf der Nahrungssuche befindet."

Petra Nieding fuhr mit den Falkenjungen umgehend nach Cochem an der Mosel in die Falknerei auf der Reichsburg. Dort werden die Vögel jetzt in den nächsten acht bis zehn Wochen aufgezogen. "Anschliessend werden die drei Jungvögel wieder in Bad Sobernheim freigelassen, damit sie in den angestammten Lebensraum zurückkommen", so Falknerin Nieding. Und wer weiß, vielleicht brütet im nächsten Jahr einer der drei jungen Falken dann selbst wieder bei Familie Schneider in der Nahestraße.


 
 


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