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Allgemeine Zeitung

Ruhezonen für das Wildschwein
Jäger wollen Verantwortung übernehmen

Vom 18.10.2007

red. BAD SOBERNHEIM Wildmeister Hans-Joachim Duderstaedt, einer der anerkanntesten Hochwildexperten Deutschlands, referierte in der Museumsgaststätte vor dem Hegering über die Situation der Wildschweine.  
Als Gründe für den starken Anstieg in den vergangenen 70 Jahren nennt Duderstaedt die Verbesserung des Lebensraumes mit Häufung milder und warmer Winter, Zunahme des Maisanbaus sowie zahlreiche Mastjahre wie in diesem Jahr, da Eicheln und Buchäckern in Mengen vorkommen, wie sie die Experten während ihres gesamten Berufslebens noch nicht erlebt haben.

Nach Auffassung von Duderstaedt hat die Jägerschaft im Hegering ihre Verantwortung vor dem Hintergrund der noch bis vor kurzem im Lande grassierenden Schweinepest ernst genommen: "Die Streckenstatistiken der letzten beiden Jagdjahre im Vergleich zeigen, dass durch die Bejagung die Wildschweinbestände wieder ein den Verhältnissen angepasstes Maß angenommen haben."

Allerdings hatte Duderstaedt auch unbequeme Botschaften im Gepäck: Jetzt sei es nämlich an der Zeit, den Grundstein für einen ordnungsgemäßen Populationsaufbau bei den Wildschweinen zu legen. Duderstaedt appellierte in diesem Zusammenhang an die Jäger, über 80 Prozent des Abschusses in der Frischlingsklasse zu erfüllen. Dazu gehört nach seinem Dafürhalten auch, dass Wildruhezonen in den Kernbereichen der Reviere eingerichtet werden.

Die aktuellen, vermehrt vorkommenden Wühlschäden in Wiesen und Feldern sind für Duderstaedt indes kein Zeichen dafür, dass die Bestände wieder zunehmen, sondern Begleiterscheinung der diesjährigen Rekord-Mast bei den Eicheln. Durch die hohe Aufnahme von pflanzlichem Eiweiß brauchen die Wildschweine tierisches Eiweiß, das sie sich in Form von Würmern, Engerlingen und Mäusen durch das Umbrechen von Wiesen und Feldern besorgen. Besonders schadensanfällig sind dabei nach Beobachtungen des Experten Wiesen und Felder, auf denen noch Heu- und Strohreste lagern, da sich dort Bodenlebewesen konzentrieren. Duderstaedt sieht auch in diesem Zusammenhang die Landwirte mit im Boot, was die Vermeidung von übermäßigen Wildschäden angeht.

In seinem Schlusswort konnte Hegeringleiter Klaus Nieding festhalten, dass die Jägerschaft in einer besonderen Verantwortung dem Schwarzwild gegenüber steht: "Wir haben bei allen berechtigten Interessen zur Vermeidung übermäßiger Wildschäden und der Bekämpfung der Schweinepest auch eine Verantwortung der Kreatur gegenüber." Daher müsse der Jäger in Zukunft die Bejagung zwar mit gleicher Intensität, aber mit Blick auf eine geordnete Sozialstruktur durchführen. Nur dadurch werde man allen Aspekten gerecht, dem Natur- und Tierschutz einerseits, der Vermeidung volkswirtschaftlicher Schäden andererseits.

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